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Vorwort des Vorstandsvorsitzenden

»DB2020 dient uns unverändert als unverzichtbarer Kompass, um nachhaltig erfolgreich zu sein.«
»Wir investieren 20 Milliarden Euro DB-Mittel in die Zukunft der Eisenbahn in Deutschland.«
»Der Konzernumbau markiert zugleich den Aufbruch in das digitale Bahnzeitalter.«
»Mit höherer Produktqualität werden wir mehr Kunden begeistern und wirtschaftliche Erfolge einfahren.«

Vorwort des Vorstandsvorsitzenden

Sehr geehrte Damen und Herren,

2015 war die Deutsche Bahn mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Neben dem längsten Lokführerstreik in der Unternehmensgeschichte gab es eine Reihe von Entwicklungen, die eine grundlegende Neuorganisation unseres Unternehmens erforderlich gemacht haben.

Der Wettbewerbsdruck hat auch 2015 weiter zugenommen. Umso dringlicher ist es, mit einer deutlich besseren Produktqualität noch mehr Kunden vom DB-Konzern und unseren Produkten zu überzeugen, damit wir auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich sind. Deshalb vollzieht die Deutsche Bahn zurzeit den größten Konzernumbau seit der Bahnreform von 1994.

Wettbewerbsdruck löst dabei keinesfalls allein der Fernbus aus. Noch immer befördern wir mit unseren Zügen an nur vier Tagen so viele Reisende wie alle Fernbusse in einem Jahr. Der wachsende Wettbewerbsdruck zwischen Schiene und Straße hat zunehmend regulatorische Ursachen. Die Schiene ist paradoxerweise als umweltfreundlichster Verkehrsträger – vor allem gegenüber der klimaschädlicheren Straße – immer stärker steigenden Energie- und Regulierungskosten ausgesetzt. Der Schienengüterverkehr hat zusätzlich Wagenumrüstungskosten zur Minderung des Schienenlärms aufzubringen, während Maut- und Spritkosten für den Lkw zuletzt gesunken sind.
Wir setzen mit dem Konzernumbau unternehmerisch alle Hebel in Bewegung, um

  1. der kritischen Ergebnisentwicklung bei der Eisenbahn in Deutschland entgegenzuwirken,
  2. in den internationalen Geschäften weiteres Wachstum zu generieren und
  3. gleichzeitig die großen Chancen, die uns die Digitalisierung bietet, mit neuen innovationsfördernden Unternehmensstrukturen aktiv anzugehen.

Oberstes Ziel ist, die Wettbewerbsfähigkeit des DB-Konzerns deutlich zu erhöhen.

Zum einen investieren wir dazu bis 2020 rund 55 Milliarden Euro, davon 20 Milliarden Eigenmittel. Der Investitionsschwerpunkt bleiben mit 90 Prozent der Heimatmarkt Deutschland und das Eisenbahngeschäft. Unser Programm »Zukunft Bahn« macht dies deutlich. »Zukunft Bahn« ist so etwas wie unser Fahrplan für die Zukunft des Schienenverkehrs in Deutschland.

Zum anderen werden wir die Kosten senken. Wir wollen unsere gesamte Organisation schlanker, effizienter und wettbewerbsfähiger machen, um als Unternehmen schneller und agiler zu werden. Der Konzernvorstand wurde verkleinert und die Konzernleitung verschlankt. Im nächsten Schritt wollen wir die DB Mobility Logistics AG, die als zweites Unternehmensdach einst für den Börsengang gegründet wurde, mit der Deutschen Bahn AG verschmelzen. Parallel werden auch die konzerninternen Servicefunktionen und Dienstleistungen neu geordnet.

Außerdem ist eine Kapitalbeteiligung Dritter an unseren internationalen Geschäftsfeldern DB Arriva und DB Schenker vorgesehen. Bei beiden Gesellschaften werden wir aber in jedem Fall die Mehrheit behalten. Diese Kapitalbeteiligung Dritter ist nicht nur wichtig, um die hohen Wachstumspotenziale im Ausland noch besser wahrnehmen zu können. Es geht auch darum, Mittel für die genannten Investitionen in Deutschland zu generieren und zugleich die Verschuldung zu begrenzen sowie die finanzielle Stabilität des DB-Konzerns abzusichern.

Was das Geschäftsjahr 2015 betrifft, so hat uns vor allem der Streik getroffen. Die Tarifauseinandersetzungen haben das operative Ergebnis mit 314 Millionen Euro belastet. Das EBIT beträgt rund 1,8 Milliarden Euro. Der konzernweite Umsatz ist leicht auf 40,5 Milliarden Euro gestiegen.

Erfreulich ist auch die gestiegene Zahl der Reisenden im Fernverkehr auf der Schiene. 132 Millionen Reisende bedeuten ein Plus von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Fernverkehr hat sich 2015 im Markt behauptet. Die internationalen Zugverbindungen nach Frankreich, Belgien und in die Niederlande verzeichneten sogar einen neuen Fahrgastrekord (rund fünf Millionen Reisende). Der Zuwachs beträgt 3,5 Prozent.

Diese positive Nachfrageentwicklung gibt uns Rückenwind für unser Programm Zukunft Bahn.

Die Ziele, insbesondere bei der Pünktlichkeit, sind anspruchsvoll, da durch die gestartete Modernisierungsoffensive bei der Infrastruktur immer mehr Bauvorhaben bei laufendem Betrieb realisiert werden. Doch dass wir es schaffen können, die Pünktlichkeit selbst in stark befahrenen Ballungsräumen signifikant zu erhöhen, zeigen zahlreiche Linien der S-Bahn Stuttgart oder im S-Bahn-Netz von Nordrhein-Westfalen, wo sich die Verspätungen 2015 zum Teil nahezu halbiert haben. Bei der S-Bahn München wurde im Dezember 2015 mit einer Pünktlichkeit von 97,4 Prozent sogar der Höchstwert seit Beginn der Aufzeichnungen vor über 20 Jahren erreicht.

Wir wissen, dass das für unsere Kunden Selbstverständlichkeiten sind. Zukunft Bahn zeigt aber, wie sehr die wachsenden Bedürfnisse unserer Kunden sich auch in unseren eigenen Ansprüchen wiederfinden. Schon 2016 werden Bahnkunden in Deutschland spürbare Fortschritte sehen – abseits der Pünktlichkeit auch bei der Reisendeninformation, beim Komfort und Service an Bord und bei der Aufenthaltsqualität der Bahnhöfe.

Die Digitalisierung spielt dabei eine Schlüsselrolle. In mehreren »Labs«, mit unserem wachsenden Start-up-Netzwerk, DB-eigenen »Hackathons«, unserer Open-Data-Plattform und in zahlreichen Forschungskooperationen nehmen unsere neue Innovationskultur und die Entwicklung der DB 4.0 konkrete Formen an. In sechs 4.0-Initiativen wird an mehr als 260 Projekten gearbeitet. Die Ideen dazu stammen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder Gründern genauso wie von unseren Kunden, mit denen wir Mobilitätsangebote jetzt von Anfang an gemeinsam entwickeln.

Der Konzernumbau markiert den Auftakt für einen weitreichenden Aufbruch im DB-Konzern. 2015 wurden die Weichen gestellt, 2016 ist das Jahr der Umsetzung. Zukunft Bahn wird uns aber die kommenden Jahre weiter begleiten. Veränderungen werden zur Daueraufgabe.

Unsere Strategie DB 2020 und den Einklang der drei Nachhaltigkeitsdimensionen Ökonomie, Soziales und Ökologie verfolgen wir mit dem begonnenen Konzernumbau konsequent weiter. Dabei bekennt sich die Deutsche Bahn ausdrücklich zu den Prinzipien des Global Compacts der Vereinten Nationen und zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex der Bundesregierung. Dafür steht nicht zuletzt der Ihnen vorliegende Integrierte Bericht. Er dokumentiert umfassend das abgelaufene Geschäftsjahr und richtet zugleich den Blick nach vorn.

Wir sind davon überzeugt, dass die Zukunft der Deutschen Bahn als nachhaltig erfolgreiches Unternehmen ein Zusammenspiel ist aus Kunde und Qualität sowie besserer Leistung auf der einen Seite und schlankeren Strukturen mit schnelleren Abläufen auf der anderen Seite. Beides packen wir mit voller Kraft und großer Leidenschaft an.

Herzlichst
Ihr

Herzlichst Ihr Rüdiger Grube

Dr. Rüdiger Grube
Vorstandsvorsitzender der
Deutschen Bahn AG

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